Ein Ritter im Irrgarten der Liebe
Vortrag von Prof. Dr. Winfried Frey

In der Vortragsreihe des Freundeskreises des JKG Bruchsal führte Prof. Dr. Winfried Frey die Anwesenden in die Werke Ulrich von Liechtensteins ein. Mit seinem zehnten Vortrag für den Freundeskreis feierte Prof. Frey damit ein kleines Jubiläum, da er nach dem Gold-Abitur im Jahre 2009 mit seiner Vortragsreihe begonnen hatte.

Ulrich von Liechtenstein ist der Autor des ersten deutschen Romans in „Ich“-Form, der keine Autobiographie ist. Damit begibt sich der Ministeriale, der in der Mitte des 13. Jahrhunderts in der Steiermark lebte, auf literarisches Neuland und wird dafür bereits von seinen Zeitgenossen hoch geachtet.  Ausgewählte Verse werden von Prof. Frey perfekt zitiert und für die Zuhörerinnen und Zuhörer übersetzt sowie anschaulich und kurzweilig erklärt. Über CD wiedergegebene Tonbeispiele des in Fachkreisen für seine authentischen Darbietungen des Nibelungenlieds geschätzten Eberhard Kummer runden das Bild des Mittelhochdeutschen ab.

Der Autor Ulrich beschreibt in 15.000 mittelhochdeutschen Versen, wie er selbst zunächst vergeblich, dann aber immer intensiver und mit vielen Erniedrigungen um eine Frau wirbt. Die altertümliche, aber dennoch äußerst lebendige Darstellung eignet sich nahezu perfekt als Vorlage für einen neuzeitlichen Comic, den es in den 80er Jahren (des letzten Jahrhunderts) zu diesem Text auch gab, und den Prof. Frey in seinen Vortrag einbezieht. In dem zentralen Roman „Frauendienst“ erhält am Ende der Protagonist seinen „Lohn“: Eine Nacht mit der Angebeteten, die den kranken Liebenden gesund macht. Heute würde das mit Tinder leichter gehen, aber nicht so schön.

Gerald Oberschmidt dankte Prof. Frey im Namen des Freundeskreises für seinen, wie immer, sehr interessanten Vortrag zu einem Thema, das einem nicht alle Tage begegnet.

 

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