Auf der Suche nach den Ginkgos im Heidelberger Schlosspark

Auf diese Suche machte sich im Mai eine kleine, aber bestens gelaunte Gruppe von Freundeskreismitgliedern. Einige hatten sich für den Aufstieg über den kurzen Buckel entschieden und somit bereits die erste Gelegenheit, das vielfältige Grün und die frische Waldluft zu genießen. Oberhalb des Schlosses wurden sie bereits von Frau Dr. Heidrun Schweinfurth und weiteren Mitgliedern des Freundeskreises erwartet.

Nach kurzer Orientierung an der Schautafel und einigen Erklärungen zur Lage des Heidelberger Schlosses auf einem Felsensporn ging es hinein in den Schlosspark und zur Scheffelterrasse. Frau Dr. Schweinfurth erläuterte prägnant und wie immer mit vielfältigen Querverbindungen die Geschichte des Schlosses und dessen terrassenförmig angelegten Gärten. Die Gestaltung der Gartenanlage als Renaissance-Garten, von Kurfürst Friedrich V. in Auftrag gegeben, geplant von de Caus, kunstvoll ausgestaltet mit Wasserspielen, Ornamentbeeten und Irrgärten, wie sie auf Abbildungen zu sehen, aber in dieser Form, historisch belegt, nie vollendet worden ist. Der heute hier zu sehende Baumbestand wurde erst im 19. Jahrhundert gepflanzt. Dass auch Kaiserin Sissi mit Ihrer Tochter einige Male hier verweilte, war ebenfalls nicht jedem bekannt.

Bald war der erste Ginkgo gefunden, schließlich hatte Frau Schweinfurth dem Freundeskreis den exotischen Baum ja detailliert beschrieben und vorgestellt. Weiter ging es um die weltberühmte Schlossruine herum, vorbei am pittoresken Pulverturm mit der abgesprengten Hälfte im Graben, dessen Inneres heute ein Refugium für viele Arten von Fledermäusen bildet, zum Elisabethentor, der Stelle, an der jetzt der älteste Ginkgo der Anlage steht. Von dort hinein in den „Stückgarten“, benannt nach den „Stücken“ (einer alten Bezeichnung für Kanonen, die hier zur Verteidigung der Residenz des Kurfürsten aufgestellt waren). Frau Schweinfurth konnte erfreut feststellen, dass sich die Teilnehmer beim Blick auf die Stadt an manches erinnerten, was sie bei früheren Themenführungen von ihr zur Stadtentwicklung Heidelbergs erfahren hatten. Der erste, hier um 1800 gepflanzte Ginkgo existiert zwar nicht mehr, aber das Gedicht von Marianne von Willemer ist in Teilen auf einer Sandsteintafel zu lesen.

Vorbei an den Grotten und dem Neptunbrunnen erreichte man dann die sog. Goetheecke, mit der Goethebank, hier aufgestellt 1922, und lauschte dort im Sitzen noch einmal – mit Blick auf den jüngsten Ginkgo im Park - Goethes berühmten Gedicht „GingoBiloba“(Ginkgo hier in der Schreibweise Goethes) für Maria von Willemer. Das wechselhafte Wetter mit dunklen Wolken, durch die dann aber die Sonne brach, hatte seinen besonderen Reiz und so boten sich vielfältigste Fotomotive.

Aber auch ein gemächlicher Spaziergang macht Appetit, und wieder einmal konnte man sich auf die Erfahrung von Frau Dr. Schweinfurth verlassen. Sie führte die Gruppe in eine historische Gaststätte oberhalb des Schlosses, das frühere Schützenhaus, heute mit dem interessanten Namen „S-Kastanie“, wo man sich in sehr stimmigem Ambiente  bei hervorragender Küche und angeregten Gesprächen stärken konnte. Sehr zu empfehlen! Ein herzlicher Dank auch an den Pächter, der extra für die Gruppe an diesem Mittag sein Restaurant geöffnet hatte.

Im Anschluss hatte Frau Dr. Schweinfurth noch eine Überraschung bereit: Sie zeigte uns auf einer kurzen Fahrt die beim Essen erwähnten historischen, stilvollen Wohnhäuser und Villen am Schloss-Wolfsbrunnenweg, seit Jahren bevorzugt von Direktoren und Top-Managern bedeutender Firmen und ehemals auch Wohnort hochrangiger US-Militärs, wo man heute Forschungseinrichtungen der Klaus-Tschira-Stiftung, die Villa des bekannten Biologen Otto Schmeil und das „Museum am Ginkgo“ findet. Die Vielfalt der Häuser und Gärten, die Rhododendren-Blüte, kaum zu beschreiben.

Die Fahrt endete am historischen Wolfsbrunnen, wo Frau Schweinfurth die Geschichte der „Jetta“ skizzierte und sich neben dem historischen Brunnen auch ein Stückchen weiter der „Wolf“ fand. Dieser Ort war für die Gruppe aus Mitgliedern des „Freundeskreises“  interessant - gibt es doch dort auch einen solchen, der die Pflege des Anwesens, das heute einem Geschäftsmann gehört, unterstützt und dort Kulturveranstaltungen einen besonderen Rahmen gibt. (Ganz sicher einen Besuch wert – werfen Sie doch einen Blick auf die Homepage www.freundeskreis-wolfsbrunnen.de).

Auf dem Rückweg konnte die Gruppe bei einem kurzen Stopp am Haus von Frau Schweinfurth noch bewundern, welch harmonischen, vielfältigen Garten mit allen Arten von herrlichen Rhododendren und anderen Blühpflanzen sie hier selbst angelegt hat und mit viel Liebe pflegt. Dem herzlichen Dank an Frau Dr. Schweinfurth für diese beeindruckende Exkursion auf den Spuren  der Ginkgos und der Heidelberger Geschichte  durch den Vorsitzenden Harald Eßwein schlossen sich alle an. Welch Glück, dass die langjährige Freundschaft der ehemaligen Vorsitzenden Frau Angelika Thiele mit Frau Dr. Heidrun Schweinfurth, entstanden aus der Nachbarschaft am Schloss-Wolfsbrunnenweg, dem Freundeskreis immer wieder solche lehr- und erlebnisreichen Exkursionen beschert. (Ursula Eckart)

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