Zur Geschichte und Wirkung eines Totschlagmotivs über sieben Jahrhunderte

"die gottverdammte Judensau"- diesen provokanten Titel trug der diesjährige Vortrag von Winfried Frey,emeritierter Geschichtsprofessor aus Frankfurt und Ehrenmitglied des Freundeskreises vom Justus-Knecht-Gymnasium. Vor zahlreichen interessierten Zuhörern referierte er über die Vorgeschichte und Wirkung dieses Totschlagmotivs über acht Jahrhunderte.

Man erfuhr, dass diese Tiermetapher auf Psalm 79 und 80 der Hebräischen Bibel zurückgeht, wobei der "wilde Eber im Walde" in der christlichen Übersetzung und Interpretation zur Sau mutierte mit dem Ziel, die Juden zu verhöhnen und zu diffamieren, da das Schwein im Judentum als unrein gilt. Seit dem 13.Jahrhundert sind Spottbilder mit diesem Bildmotiv auf zahlreichen Steinreliefs an Kirchen zu finden, das erste um 1230 im Dom zu Brandenburg.

Das Schandbild hat sich dann in den nächsten Jahrhunderten in ganz Mitteleuropa verbreitet und ist besonders häufig  in den Stammländern der Reformation zu finden, was auf die Wirkung einer antisemitischen Schrift von Martin Luther zurückzuführen ist.

Mit zahlreichen Abbildungen illustrierte Professor Frey die teilweise obszönen Motive, die  häufig eine säugende Muttersau mit menschlichen Zügen und spitzem Judenhut zeigen. Auch wurden zahlreiche Beispiele angeführt für die Verwendung des Totschlagmotivs in völkischen und nationalsozialistischen Propagandaschriften  während der Weimarer Republik, im Dritten Reich und leider auch in jüngerer Vergangenheit. 

Der Vorsitzende des Freundeskreises, Harald Eßwein, bedankte sich bei Winfried Frey für die aufschlussreichen Ausführungen und verwies in Zeiten von Fake News und "alternativen Fakten" auf die erschreckende Aktualität des Themas im Hinblick auf Diffamierung und daher der Notwendigkeit zur Information aus erster  Hand. (Cornelia Blümle)

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