Als Harald Eßwein im vergangenen Jahr den Vorsitz des JKG-Freundeskreises übernahm, hatte er die Idee, zu einer Art „Antrittsvorlesung“. Zu Beginn des neuen Jahres wurde diese Idee nun Realität, und als Dipl. Inform. Med., tätig bei einer großen Softwarefirma in Walldorf und seit vielen Jahren mit IT-Anwendungen im Gesundheitswesen beschäftigt, führte er die anwesenden Mitglieder in die Welt von ‚Big Data‘ ein.

Unter dem Titel ‚Big Data im Gesundheitswesen – Angst, Faszination, Überschätzung?‘ beleuchtete er zunächst die Grundlagen des Modewortes ‚Big Data‘, um dann die Aspekte des Datenschutzes zu vertiefen und anhand von aktuellen Beispielen aus dem Gesundheitswesen die Chancen und Risiken dieser Entwicklung zu zeigen.
Bereits 1854 hatte der Epidemiologe John Snow große Erfolge in der Bekämpfung der Cholera, indem er mit Hilfe mühsam zusammen getragener Daten über lokale Erkrankungsraten in London einzelne Brunnen identifizierte, die zur Verbreitung der Cholera beitrugen, und so durch deren Schließung die Erkrankung eindämmen konnte.
Mit diesem historischen Beispiel präsentierte Harald Eßwein die bereits damals gültigen Charakteristika von ‚Big Data‘-Anwendungen: die Erfassung, Speicherung und Visualisierung großer Datenmengen, um bisher nicht erkannte Bezüge zwischen den Daten zu erkennen.
Mit technischen Exkursen in die rasante Entwicklung der Leistungsfähigkeit von Computern sowie deren Prozess-, Speicher und Datenorganisation zeigt er auf, warum heutzutage alle Voraussetzungen gegeben sind, unvorstellbare Datenmengen (Volume) mit nie gekannter Geschwindigkeit (Velocity) aus unterschiedlichsten Quellen (Variety) zu analysieren. Zu diesen drei Vs von Big Data stellte er allerdings auch die wichtige Frage nach dem vierten V: wie valide sind die aus der Analyse dieser Daten gewonnenen Erkenntnisse?
Auf der Basis dieser Frage folgte die Beleuchtung datenschutzrechtlicher Aspekte mit dem Hinweis darauf, dass Gesetze alleine zur Durchdringung dieses Komplexes nicht genügen sondern auch die Forschungsgemeinschaft und die Gesundheitswirtschaft gefordert sind, sich auf Rahmenbedingungen für Big Data-Analysen zu einigen.
Zum Abschluss seines Vortrages zeigte Harald Eßwein am Beispiel des Trackings von persönlichen Gesundheits- und Aktivitätsdaten über sog. Wearables sowie der Analyse des menschlichen Genoms wie Big Data-Anwendungen in diesen Bereichen erfolgversprechend eingesetzt werden können.
Ursula Eckart, zweite Vorsitzende des JKG-Freundeskreises, dankte dem Redner für seine umfassende Einführung und spannenden Beispiele zu einem für viele Anwesenden neuen Thema. Gleichzeitig machte Sie auf die Mitgliederversammlung des JKG-Freundeskreises am 1. Februar sowie den folgenden Vortrag von Prof. Frey am 21. Februar aufmerksam.

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